Serious Brothers im Interview

Worum geht es in „Imagine Earth“?

Martin: Es ist eine futuristische Aufbau-Simulation, die den Spieler fremde Planeten besiedeln lässt. Man gründet expandierende Kolonien im All und treibt Handel mit Aliens. Planeten werden im Zeitraffer mit wachsenden Gesellschaften besiedelt, die immer mehr Güter, Nahrung und Energie verschlingen. Harter Wettbewerb und die Gewinnvorgaben interstellarer Konzerne zwingen den Spieler seinen Ressourcenverbrauch und das Ökosystem der neuen Heimatwelt an die Grenzen zu treiben. Umweltzerstörung und Klimakollaps werden also zur realen, selbstverursachten Gefahr für den Spielerfolg.

Was erzählt „Imagine Earth“ über die Zukunft der Erde bzw. des Menschen?

Jens: In der Story spiegelt sich die aktuelle Menschheitsgeschichte und so problematisiert das Spiel nebenbei die Zumutungen eines entgrenzten Wirtschaftssystems, welches ins All expandiert um seine Wachstums-Doktrin aufrecht zu erhalten. Natürlich ist da eine leicht ironische Setzung im Spiel und das Geschehen findet im experimentellen Simulator statt. Aber der Spieler hat alle Zügel in der Hand durch Forschung, Entwicklung und die richtigen Technologien eine prosperierende und nachhaltige Welt zu schaffen. Das Game eröffnet feierlich ein neues Genre: Climate Survival Simulation.

Was war die bisher größte Herausforderung bei der Entwicklung?

Jens: Den Spagat zu schaffen, zwischen Spielspaß und Anspruch, ist in diesem Projekt die entscheidende Herausforderung. Es geht darum das gravierende Klimaproblem in ein packendes Spielsystem zu integrieren.

Macht ihr wirklich alles selbst?

Martin: Jens macht Design für Interfaces und Modells, zudem schreibt er die Story und entwirft Charaktere. Ich programmiere das ganze Zeug zusammen und bändige das kreative Chaos, verleihe dem ganzen eine interaktive Struktur.

Wie habt ihr es geschafft, das Spiel zu finanzieren?

Martin: Als Studenten war Zeit im Überfluss vorhanden, später war es neben Jobs und Aufträgen unser passioniertes Teilzeithobby. Inzwischen haben wir Crowdfunding gemacht, eine Firma gegründet und verkaufen das Game als Early Access für Unterstützer auf Steam. Zwischenzeitlich haben wir uns erfolgreich um Förderung bei Normedia beworben, diese aber wegen der ganzen Bürokratie, die mit so einer Förderung einhergeht wieder abgeblasen. So konnten wir uns für dieses Spiel die nötige Zeit nehmen, die es brauchte.

Wie schwer ist es generell, ein Computerspiel zu finanzieren? Kann man mit einem Projekt wie „Imagine Earth“ Geld verdienen?

Jens: Tja, wenn es ganz fertig ist, mit der richtigen PR Strategie vermarktet wird und einschlägt, dann hätte es das Potential uns die nächsten Jahre die Entwicklung eins neuen Projekts zu finanzieren.

Ihr habt bereits einige Preise gewonnen, unter anderem den Intel Levelup Award und einen Preis auf der CeBit, dieses Jahr seid ihr sogar für den Deutschen Computerspielpreis nominiert gewesen. Was bedeuten euch diese Auszeichnungen – und wie war’s, bei der DCP Gala?

Jens: Wie haben uns sehr gefreut, denn solche Anerkennungen peppeln unseren Idealismus und sträken den Glauben daran, dass dieses Spiel eine relevanter Versuch ist, das gravierende Problem der globalen Erwärmung auf gelungene Weise in ein Entertainment Programm zu bringen.

Der deutsche Computerspielpreis entwickelt sich übrigens zu einer unterhaltsamen Branchenveranstaltung. Es gab Moderation von Judith Rakers, Laudatio von Oliver Kalkhofe, feinste Häppchen und dazu viele anheimelnde Reden von Politikern wie Bundesminister Dobrindt, jetzt da man das Computerspiel ebenso als Kulturgut und als milliardenschweren Wirtschaftsfaktor erkannt hat.

Auf welcher Plattform können wir jetzt „Imagine Earth“ spielen?

Martin: Imagine Earth ist vorerst nur für PC erhältlich und kann bereits über Steam oder imagineearth.info erworben werden. Das Spiel bietet eine 100% spielbare Story Kampagne. Darüber hinaus pfeilen wir weiter an verschiedenen Spielmodi, beispielsweise Eroberungswettstreit mit KI Gegnern. Hier freuen wir uns auf jedes Spieler-Feedback, das wir kriegen können.

Was macht ihr beiden anders als die großen, bekannten Blockbuster-Spiele?

Martin: Indie Games werden dafür gerühmt, mit Hingabe entwickelte, neuartige Spielkonzepte aufzufahren. Das lassen wir auch gerne für Imagine Earth gelten.

Sind wir Menschen denn wirklich alle kleine Schmarotzer, die nicht aufhören können, unseren eigenen Planeten zu zerstören? Wie schlimm steht es wirklich um uns?

Jens: Mit Schmarotzerei hat es witziger Weise wenig zu tun. Wir arbeiten doch sehr hart am Untergang und hetzen uns gegenseitig in einen absurden Wettlauf, und keiner will zurück bleiben. Ob Individuen, Konzerne oder Länder, das internationale Wachstums-Wettrüsten führt zum Totalverschleiß an Mensch und Umwelt. Es scheint als stünde der Mensch ganz allgemein konkurrenzlos vor der finalen Herausforderung sich selbst zu regulieren und eine Balance zwischen Wachstum und Nachhaltigkeit zu entwickeln.

Ihr zwei habt beide hier in Braunschweig studiert. Wie wichtig waren Stadt und Studium für die Entstehung eures Computerspiels?

Martin: Jens und ich haben an TU und HBK jeweils Informatik und Kommunikationsdesign studiert. Da erwarb man das nötige Know-How und traf sich in Seminaren, um dann auch eigene Projekte anzustoßen. Braunschweig ist eine angenehme Stadt zum Wohnen, da kann man auch mal prima ein Computerspiel entwickeln.

Inwieweit findet man hier in Braunschweig Möglichkeiten und Unterstützung, wenn man ein Spiel machen möchte?

Jens: Da sind wir im wahrsten Sinne des Wortes ein Indie Game Studio. Dieses Projekt haben wir in größtmöglicher Unabhängigkeit ausgetüfftelt.

Neben der Produktion von „Imagine Earth“ – was tut ihr beiden persönlich, um die Welt zu retten? 🙂

Jens: Da machen bequemer Weise die Dinge, die man gerade nicht tut viel aus: Kein Auto, wenig Fleisch, kein unnötiger Konsum. Lieber im Lifestyle einschränken als den ganzen Tag Devisen dafür ran zu schaffen.

Martin: Das ist bei mir ähnlich und scheint auch ein wenig dem Zeitgeist zu entsprechen. Bewusster Umgang mit Essen, Verzicht auf ein Auto und so weiter. Entscheidend ist aus meiner Sicht immer wieder zu reflektieren, was mein Handeln eigentlich bedeutet und für Auswirkungen hat.

Zu guter letzt: Welches war euer jeweils allererstes Computer- bzw. Videospiel und welches sind eure persönlichen Top 5 Computer- bzw. Videospiele?

Martin: Angefangen bei Platz 1: Mario Kart, Starcraft, Anno, Half-Life, Shadow of the Colossus

Jens: Monkey Island, Mass Effect, Colonization, Myth, Zelda